Freude auf Kommando?

dezember-2013a-007

Aufgenommen auf einem Weihnachtsmarkt in Stuttgart

„Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! …Der Herr ist nahe.“ (Philipper 4,4+5).

Als der Apostel Paulus diese Worte schrieb, war ihm allerdings klar, dass es auch im Leben von Christen Situationen gibt, die geeignet sind, nicht pure Freude, sondern andere emotionale Reaktionen hervorzurufen. Er selbst musste damals mit unangenehmen Lebensumständen fertig werden. Er war ein Gefangener und in Fesseln.

Kann man sich eigentlich auf Befehl freuen? Kann man seine Gefühle derart manipulieren, dass Freude dabei herauskommt? Bis zu einem bestimmten Grad mag das möglich sein.

Nicht ohne Grund kennen wir außer dem Wort ‚Freude‘ noch viele andere Begriffe, die menschliche Stimmungen beschreiben können: Trauer, Ärger, Empörung, Wut, Niedergeschlagenheit, Verzweiflung, Mutlosigkeit, Enttäuschung, … Sicherlich könnte man diese Liste noch viel länger machen. Aber mehr fällt mir spontan gerade nicht ein.

Wenn wir aus den Augen verlieren, welche Umstände bestimmte Gefühle in uns hervorrufen, oder wenn uns sowieso alles zu viel wird, kann ein Sammelsurium ungeordneter Emotionen in uns entstehen. Manchmal mag uns dann das Wort ‚Depression‘ als geeignet erscheinen, um unsere Befindlichkeit zu beschreiben.

Der obige Vers ist der Wochenspruch zum vierten Advent. Darin ist von Freude die Rede. Gerade an Weihnachten möchten wir uns gerne freuen. Aber wie leicht kommen irgendwelche Dinge dazwischen. Wenn wir voller Erwartungen sind, sind wir auch besonders empfindlich. Immer wieder hört man, dass manche Menschen sich an Weihnachten ganz besonders einsam fühlen.

‚Immer nur lächeln und immer vergnügt‘ ist ein Wahlspruch, den manche sich zu Eigen machen. Das hat sicher eine positive Seite.

Andererseits kann eine Familie oder sonstige Gruppe irgendwie steril wirken, wenn jeder sich immer nur von seiner fröhlichen Seite präsentieren muss. Auf Dauer kann es ungesund sein, wenn viele Gefühle ausgeklammert oder unter den Tisch gekehrt werden müssen. Es ist auch lieblos, wenn wir uns gegenseitig signalisieren: ‚Ich möchte dich nur als fröhlichen Menschen kennen. Alles was dich sonst je beschäftigen mag, interessiert mich nicht. ‘

Obiger Wochenspruch besteht aus zwei Versen im Philipperbrief. Ein Satz aus dem fünften Vers wurde dabei weggelassen: „Eure Güte lasst kund sein allen Menschen.“ Diesen Satz finde ich aber wichtig, denn ich meine, dass Freude auch mit einer gewissen Freundlichkeit gegenüber anderen gepaart sein sollte.

Auf Dauer mag es nicht gelingen, wenn man sich zwingen möchte, fröhlich zu sein. Aber vielleicht ist es auch gar nicht notwendig, dass man seine Gefühle in eine bestimmte Richtung manipuliert.

Es gibt Dinge, die ein guter Grund wären, um sich zu freuen. Vielleicht haben trotzdem andere Gefühle die Oberhand. Aber man kann diese positiven Erlebnisse wenigstens als solche beachten.

Paulus hatte zu dieser Zeit viele Schwierigkeiten. Im Gefängnis könnte man ohne weiteres trübselig werden. Er freute sich über seine ungetrübte Beziehung zu Gott. Er schreibt: „Freuet euch in dem Herrn allewege.“ In allen Lebenslagen vertraute er Gott. Er war sich sicher: „Der Herr ist nahe!“.

Christen finden Ruhe Feature

So heißt mein wöchentlicher Hauptbeitrag, der zumeist am Freitag Abend erscheint.

2 Gedanken zu „Freude auf Kommando?

  1. Danke für den Beitrag!Ich denke auch nicht, dass wir immer nur fröhlich sein sollen- sich immer so nach außen zu präsentieren müssen, macht krank und dass Leben besteht eben nicht nur aus fröhlichen Passagen. Wenn man aber in der Traurigkeit noch Zuversicht und Freude in Gott findet, ist dieser „Freuden-Befehl“ wohl schon erfüllt!
    Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

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