Mit Enttäuschungen fertig werden

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Enttäuschung ist wie ein Sturz in emotionale Abgründe

Etwas über den Umgang mit Enttäuschungen

Von Zeit zu Zeit möchte ich Sachtexte über Problemfelder veröffentlichen. Heute soll es um Enttäuschungen gehen.

 

Wenn uns etwas bedrückt, sind es oft viele Dinge gleichzeitig. Die Jünger Jesu dürften über die Festnahme und Hinrichtung ihres Meisters erschrocken und schockiert gewesen sein. Sie hatten sicher auch Angst, dass man ihnen selbst auch nachstellen könnte. Diese Gefühle mischten sich mit der Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen. Vielleicht machten sie sich Vorwürfe, weil sie Jesus nicht helfen konnten oder weil sie Jesus in seiner schwersten Stunde nicht begleitet hatten. Zu alledem könnte sie ein Gefühl der Ohnmacht beschlichen haben, angesichts der Vorgehensweise der religiösen Führer ihres Volkes und der Übermacht der römischen Soldaten und Herrscher. Wie wir sehen werden, waren sie auch enttäuscht. Sie hatten sich Hoffnungen gemacht und diese Hoffnungen wurden mit dem Tod Jesu zutiefst erschüttert bzw. zunichte gemacht.

Es ist bereits ein Stück Heilung, wenn man negative Gefühle benennen kann: Ich empfinde so und so, weil … Wer depressive Gefühle in Bestandteile zerlegen oder auf Umstände zurückführen kann beginnt seine Empfindungen zu verstehen. Andere Menschen würden auf ähnliche Umstände ähnlich reagieren. Es gibt Dinge, die jeden belasten. Schwer, wenn vieles auf einmal kommt.

Wir lesen von zwei Jüngern, die nach dem Tod Jesu einen ausgedehnten Spaziergang in ein Dorf in der Nähe von Jerusalem unternahmen. Es war ein Fußmarsch von etwa zwei Stunden. Auf dem Weg unterhielten sie sich über alles was sie beschäftigte. Beide hatten zum Kreis der Jünger gehört. Es waren dieselben Dinge die sie belasteten. Sie konnten sich als Betroffene miteinander aussprechen. Diese Aussprache dürfte ihnen emotional geholfen haben. Der jeweils andere hatte ähnliche oder dieselben Probleme. Sie merkten, dass sie nicht alleine waren. Das Gespräch half ihnen, ihre Gedanken und Gefühle zu ordnen.

Ob der Fußmarsch als solcher eine heilsame Wirkung hatte? Bewegung an der frischen Luft ist jedenfalls gesund. Wenn der Kreislauf in Schwung kommt und mehr Sauerstoff ins Blut, kann man klarer denken.

Eine dritte Person befand sich auf diesem Weg, gesellte sich zu ihnen und fragte, worüber sie denn so eifrig debattierten. Die Reaktion der beiden Jünger auf diese Frage lässt ihren tiefen Schmerz erahnen. Sie blieben traurig stehen. Einer der beiden namens Kleopas antwortete mit einer Gegenfrage: „Bist du denn der einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist.“ Salopp formuliert: Was uns bedrückt ist überaus schwerwiegend. Die Ereignisse und unsere Gefühle nehmen uns sehr in Beschlag. Wir können kaum glauben, dass jemand nicht über die Ereignisse Bescheid weiß. Jeder wird sich wohl noch damit beschäftigen.

Daraufhin beginnt Kleopas über die enttäuschten Hoffnungen zu reden.

  1. Er benennt den Grund dieser Hoffnungen: Jesus von Nazareth war ein Prophet, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk.
  2. Er erwähnt die Ereignisse selbst: Unsere Hohenpriester und Oberen haben Jesus zur Todesstrafe überantwortet. Er formuliert unpräzise: Unsere Hohenpriester und Oberen haben Jesus gekreuzigt.
  3. Er benennt die enttäuschte Hoffnung: Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde.
  4. Er erwähnt Berichte von Frauen, die sie zusätzlich erschreckt haben. Der Schmerz der enttäuschten Hoffnungen bringt eine Abwehrhaltung vor Dingen, die neue Hoffnungen wecken könnten, mit sich. Der Enttäuschte fürchtet weiteren trügerischen Hoffnungen auf den Leim zu gehen.

Ich würde behaupten, dass die Antwort des Fremden den Jüngern geholfen hat, mit ihrer Enttäuschung zurechtzukommen. Bibelleser wissen natürlich, dass der Fremde in Wirklichkeit der Auferstandene Jesus selbst war, doch die Jünger erkannten ihn erst später aufgrund einer typischen Geste zu Tisch.

Der Vorteil der Jünger war, dass ihre Hoffnungen in der Heiligen Schrift begründet waren. Sie wussten, warum sie geglaubt hatten, was sie geglaubt hatten. Die Schriften reden von einem Retter Israels und von einem Messias. Wer in der Lage ist, zu reflektieren, warum er sich auf bestimmte Dinge verlassen hat oder sich manches erhofft hat, hat einen Ansatzpunkt, um seine enttäuschten Gefühle zu ordnen.

Jesus setzt genau an diesem Punkt an. Er spricht mit den Jüngern über die Grundlage ihrer Hoffnungen. Doch er erklärt ihnen die Schriften genauer. Er geht auf Details ein, die sie seither nicht wirklich beachtet hatten. „Er fing an bei Mose und allen Propheten und legte aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war.“ Er erklärte, dass gerade diese Ereignisse, die die Jünger so sehr bedrückten zu Gottes Plan gehörten: „Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“

Ich möchte noch einmal zusammenfassen, was helfen kann mit Enttäuschungen umzugehen:

  • Die Enttäuschung als solche erkennen und benennen.
  • Körperliche Bewegung an der frischen Luft.
  • Sich mit Menschen in gleicher oder ähnlicher Situation austauschen.
  • Sich mit einfühlsamen und verständigen Menschen darüber unterhalten.
  • Mit Jesus darüber sprechen.
  • Die Gründe der Hoffnungen und Erwartungen als solche reflektieren.
  • Über die Ereignisse und die Enttäuschung sprechen bzw. darüber nachdenken.
  • Irgendetwas, was einem hilft, die eigenen Gefühle zu verstehen und einzuordnen.
  • Sich nur Menschen anvertrauen, die auch verstehen können, worum es geht und die bereit sind mitzudenken.
  • Menschen mit ähnlichen Problemen Mut machen. Was einem selber hilft könnte auch anderen helfen. (vgl. Lukas 24,32-35).

Jesus lädt uns ein, bei ihm Ruhe zu finden. Ein wichtiges Bibelwort ist Römer 8,28: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.“ Wer mit Gott im Reinen ist, wer um Vergebung seiner Sünde weiß, darf damit rechnen, dass Gott es in allen Dingen gut mit ihm meint. Gott kann alle Umstände benutzen, um uns innerlich reifen zu lassen. Er weiß, was gut für uns ist und er hat unser Bestes im Sinn.

Ich habe diesen Text als Sachtext bezeichnet. Meine Ausführungen beschränken sich aber weitgehend auf Gedanken, die sich aus der Geschichte von den Emmausjüngern in Lukas 24, 13-35 ableiten lassen.

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