Gedanken zum siebten Jahrestag

11.03.2012 in Winnenden 012MOPAuto

Diese Bild ist am dritten Jahrestag des Amoklaufs nach einer Lichterkette des Jugendgemeinderats entstanden.

 

Am Freitag jährt sich der Amoklauf in Winnenden und Wendlingen zum siebten Mal. Damals kamen fünfzehn Menschen ums Leben. Zunächst waren es Schüler und auch Lehrer, dann auch zufällige Passanten. In Wendlingen mussten Mitarbeiter eines Autohauses ihr Leben lassen.

In einem kurzen Gespräch letztes Jahr habe ich festgestellt, dass viele mit Winnenden hauptsächlich dieses Ereignis verbinden. Reporter und Fernsehleute waren damals recht schnell zur Stelle, um alle neuen Nachrichten und Erkenntnisse in aller Welt zu verbreiten.

Wer Berichte und Erklärungen bezüglich des Amoklaufes verfolgt hat, könnte denken, Winnenden sei eben eine Stadt mit einem entsprechenden Milieu. (Es gibt genügend Studien, die darlegen, wie Jugendliche aus sozialen Brennpunkten zu Tätern werden können. Diese Analysen sind von großem Wert, denn sie möchten helfen, solche Ereignisse zu verhindern.) Ich möchte aber einmal sagen, dass ich Winnenden als recht friedliche Stadt erlebt habe. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass es in Winnenden viele herzliche Menschen gibt.

Die Stadt Winnenden ist stark von einer großen diakonischen Einrichtung für Hörbehinderte geprägt. Man kann auf den Straßen oft Menschen sehen, die sich in der Gebärdensprache verständigen. Für die Winnender gehören sie dazu.

Es gibt nicht nur entsprechende Wohnheime, sondern in einem Teilort auch  Berufsschulen speziell für Jugendliche, die gar nicht oder nur schlecht hören können. Durch die Einrichtungen der Paulinenpflege ist Winnenden weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Wer im Stadtkern unterwegs ist wird auch leicht feststellen, dass sich in einem vornehmen Gebäude ein großes psychiatrisches Krankenhaus befindet. Die Eiscafés und Imbisse in der Fußgängerzone sind daran gewöhnt, dass auch psychisch Kranke zu ihren Kunden gehören.

Nach dem Amoklauf hatte ich das Gefühl, dass die Menschen sehr betroffen waren. Es gab sehr viel Mitgefühl in Winnenden. Ich hatte den Eindruck, dass die ganze Stadt unter Schock stand.

Freilich gab es damals auch reichlich Gelegenheit, darüber nachzudenken, ob man selber plötzlich betroffen sein könnte. Alle Eltern im ganzen Umkreis mussten an diesem Tag ihre Kinder von der Schule abholen. Kinder sollten auf keinen Fall alleine nach Hause gehen.

Ich hielt mich an diesem Vormittag in einem Nachbarort von Winnenden auf. Auch dort sagte mir jemand, man wisse nicht genau, wo der Täter sich aufhalte, es sei ratsam, vorsichtig zu sein.

Noch ein Gedanke zu der oben erwähnten Maßnahme des Oberschulamtes. Allein die Tatsache, dass im ganzen Umkreis in allen Schulen solche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden, zeigt, wie wenig man mit so etwas gerechnet hat. Es war ein in dieser Gegend sehr ungewöhnliches Ereignis.

 

 

 

Ein Gedanke zu „Gedanken zum siebten Jahrestag

  1. Das war damals sehr krass. Ich komme ursprünglich selbst aus der Gegend und war damals in meinem letzten Schuljahr. Wir hatten mehrere Tage keinen normalen Unterricht und ich bin die restlichen Monate meiner Schulzeit mit einem latent unguten Gefühl zur Schule gegangen. Plötzlich war das alles so real, davor hatten wohl weder Schulen noch die Polizei mit einem Amoklauf diesen Ausmaßes gerechnet.

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