Tierhalterische Gedanken zu einer alttestamentlichen Eselsgeschichte

Esel 2 - christenfindenruhe.wordpress.com

Hat der Glaube etwas mit Eseln zu tun? Für mich kaum. Ich selber habe auch nichts mit Eseln zu tun. Was aber wenn ein Mensch mit Eseln lebt, auf sie angewiesen ist und an Gott glaubt?

In einer Geschichte im Alten Testament wird ein Gespräch zwischen einem Menschen und einer Eselin wiedergegeben. Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob Esel überhaupt sprechen können.

Ganz ehrlich, ich rechne auch nicht damit, dass ein Esel oder ein anderes Tier in akzentfreiem Schwäbisch, Hochdeutsch, Chinesisch rückwärts oder einer anderen Menschensprache zu mir spricht. Doch Tiere geben Laute von sich. Diese Laute können verraten, ob dem Tier etwas gefällt oder nicht. Ein Tier zeigt Gefühle wenn es Laute von sich gibt.

Ein Mensch, der ein Tier gut und schon lange kennt, kann aus den Tönen des Tieres viel mehr herauslesen, als jemand, der einem Tier nur zufällig begegnet. Er weiß, in dieser oder jener Situation hat sich das Tier so oder so verhalten.

Bileam sattelte seine Eselin. Er hatte einen weiten Weg vor sich. Er war kein Israelit, doch ein Mann, der wenigstens manchmal nach Gottes Willen fragte. Er begleitete mächtige Männer, die seine Volksgenossen waren, aber die in einem von seinem Wohnort weit entfernten Gebiet lebten.

Wir lesen eine Geschichte von einer Eselin, die aus irgendwelchen Gründen nicht so wollte wie ihr Herr. Die Eselin verließ den Weg und lief auf dem angrenzenden Feld. Bileam schlug seine Eselin, damit sie wieder auf dem Weg ging. Sie erreichten eine Stelle wo der Weg, auf beiden Seiten von Mauern umgeben war. Die Eselin drängte sich an eine Mauer und klemmte Bileam das Bein ein. Das veranlasste Bileam seine Eselin härter zu schlagen als zuvor.

Sie gelangten an eine Stelle wo der Weg sehr eng war. Die Eselin ging in die Knie und wollte offensichtlich nicht weiterlaufen. Bileam antwortete wieder mit Schlägen, aber diesmal mit dem Stecken, den er in der Hand hatte. Diesmal lief die Eselin nicht weiter, sondern reagierte, indem sie Töne von sich gab.

Wir lesen: „Da tat der Herr der Eselin den Mund auf und sie sprach zu Bileam.“ Was die Eselin sagte war die einfache Reaktion des Tieres, das Bileam gut kannte: „Was habe ich dir getan, dass du mich nun dreimal geschlagen hast?“

„Bileam sprach zu der Eselin: ‚Weil du Mutwillen mit mir treibst! Ach, dass ich jetzt ein Schwert in der Hand hätte, ich wollte dich töten!‘ “ Die im Text wiedergegebene Antwort der Eselin zeigt, dass der Tierhalter Bileam seine Eselin gern hatte und dass er einfühlsam mit ihr war. Er dachte über seine Eselin nach und verstand aus ihren Lauten das folgende: „Bin ich nicht deine Eselin, auf der du geritten bist von jeher bis auf diesen Tag? War es je meine Art, es so mit dir zu treiben?“ Bileam antwortete mit ‚nein‘. Als Bileam noch über die Reaktion seiner Eselin nachdachte, sah er einen Engel Gottes vor sich stehen. Gott begann zu Bileam zu sprechen

Schließlich konnte Bileam mit seiner Eselin vom Eufrat in die Nähe des Jordans reisen. Die ganze Geschichte findet sich in 4. Mose Kapitel 22-24.

Die Geschichte veranschaulicht, wie Menschen sich auf ihre Esel einstellen mussten, wenn sie mit Hilfe eines Esels reisen wollten. Sie mussten sich in ihre Esel hineindenken. Sie mussten sich darauf besinnen wie ihr Esel in welcher Situation reagiert hat.

(Anmerkung: Ich erhebe nicht den Anspruch, dass mein Beitrag eine vollständige Auslegung der Geschichte von der sprechenden Eselin darstellt. Offensichtlich war das Sprechen der Eselin bereits eine Vorbereitung auf das Reden Gottes zu Bileam, als er den Engel Gottes vor sich stehen sah. Bereits vor der Reise hatte Bileam gebetet und nach Gottes Willen gefragt. Gott kann auf vielfältige Weise zu Menschen sprechen, auch durch eine Eselin. Wenn Gott die Welt geschaffen hat, kann er auch eine Eselin wundersam Menschenworte aussprechen lassen. – Mir ist aber beim Lesen der Worte der Eselin aufgefallen, dass es Worte waren, die man von einer Eselin aus ihren Lauten und im Zusammenhang der Situation erschließen könnte.)

PS: Wer  bei diesem Beitrag den Zusammenhang zu Matthäus 11,28 vermisst, darf gerne meine vorangegangenen Beiträge über Esel zu Rate ziehen.

 

 

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