Arbeit, die über die Kräfte geht

Es ist gut und ethisch, Mitarbeiter so einzusetzen, dass mit möglichst geringem Kraftverschleiß möglichst viel erreicht werden kann. Wenn aber Vorgesetzte planen, bestimmte Kollegen zu schwächen, kann man von Mobbing sprechen.

Ich denke an die biblische Geschichte von den Israeliten in Ägypten, als ein neuer Pharao an die Macht kam, der von den Verdiensten des Josef nichts wusste. Dieser beobachtete nur, dass die Israeliten in Ägypten mittlerweile sehr zahlreich geworden waren. Er entschied: “Wohlan, wir wollen sie mit List niederhalten, damit sie nicht noch mehr werden.“ (2.Mose 1,10a).

Irgendwie waren ihm die Israeliten nicht geheuer. Er befürchtete, sie könnten zu viele und zu mächtig werden. Ihm ging es um seine eigene Macht. Ein fremdes Volk innerhalb seines Herrschaftsbereiches könnte nach einer Gelegenheit suchen, sich seiner Herrschaft zu entledigen. Sie könnten sich im Kriegsfall auf die Seite der Feinde schlagen und danach Ägypten verlassen.

Der biblische Bericht spricht für sich: „Und man setzte Fronvögte über sie, die sie mit Zwangsarbeit bedrücken sollten. Und sie bauten dem Pharao die Städte Pitom und Ramses als Vorratsstädte.“ Diese Maßnahmen brachten aber nicht das erhoffte Ergebnis. Die Israeliten vermehrten sich umso mehr, je härter sie gefordert wurden.

„Da zwangen die Ägypter die Israeliten unbarmherzig zum Dienst und machten ihnen ihr Leben sauer mit schwerer Arbeit in Ton und Ziegeln und mit mancherlei Frondienst auf dem Felde, mit all ihrer Arbeit, die sie ihnen auflegten ohne Erbarmen.“ (2.Mose 1,13-14). Wenn ein Vorgesetzter seine Mitarbeiter beargwöhnt und sie derart fordert und drangsaliert, dass ihnen das Leben zur Last wird, dann handelt es sich um einen schweren Fall von Mobbing. Oder sollen wir die biblische Geschichte mit Zwangsarbeit in manchen neuzeitlichen Diktaturen vergleichen? Manche Machthaber verfolgen das Ziel, Menschen wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit, wegen ihrer Religion oder wegen ihren politischen Überzeugungen klein zu halten bzw. klein zu kriegen.

Ob die Israeliten in dieser schwierigen Zeit wohl viel zu ihrem Gott, um Hilfe und um Kraft gebetet und gefleht haben? Jedenfalls sagte Gott zu Mose: „Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt.“ (2.Mose 3,7).

Der Auszug aus Ägypten und die damit verbundene Befreiung aus der Sklaverei wurden zur   zentralen Gotteserfahrung der Israeliten. Das Passahfest hängt mit diesen Ereignissen zusammen. Als Jesus auf der Erde lebte, feierten die Juden dieses Fest jedes Jahr.

Vielleicht haben Jesus und seine Zuhörer auch an die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten gedacht, als Jesus ausrief: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11,28). Jedes Jahr feierten die Israeliten Passah, ein Fest zum Gedenken, an Gottes Hilfe beim Auszug aus Ägypten.

Diesen Text habe ich mit „Arbeit, die über die Kräfte geht“ überschrieben. Jesus lädt Menschen zu sich ein, die sich bei schwerer Arbeit ermüden. Auch wir dürfen uns im Gebet an Gott wenden.

(Wer die ganze Geschichte im 2. Buch Mose nachlesen möchte, kann das hier tun.)

4 Gedanken zu „Arbeit, die über die Kräfte geht

  1. Danke, Inerlime, für Ihren Kommentar. Tatsächlich habe ich mir kurz vor dem Veröffentlichen noch überlegt, diese Formulierung zu ändern.

    Warum ich dieses ‚kann‘ geschrieben habe? Ich war gedanklich schon irgendwo da wo ich später im fünften Absatz angekommen bin. Die Art, wie Pharao mit den Israeliten umgegangen ist kann man als Mobbing bezeichnen. Man kann die Geschichte gut verwenden, um zu veranschaulichen, was Mobbing ist. Aber vielleicht passt im Fall von Pharao und den Israeliten auch der Vergleich mit Zwangsarbeit oder Sklaverei besser.

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  2. Pingback: Überblick über meine bisherige Auslegung des Wortes ‘mühselig’ in Matthäus 11,28 | christenfindenruhe

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